WEITERBILDUNG IN 8 MODULEN IN HANAU

zur Traumapädagogin und traumazentrierter Fachberaterin
zum Traumapädagogen und traumazentrierten Fachberater

Berufsbegleitende Weiterqualifizierung für Fachkräfte
in der Jugendhilfe und in Erziehungs- und Bildungseinrichtungen

Modul 1 Hanau

Einführung in die
Traumapädagogik

20.-22.04.2020

  • Einführung in die Psychotraumatologie
  • Einführung in die Traumapädagogik
  • Spezifische Belastungen in der Arbeit mit traumatisierten
  • Kindern und Jugendlichen
  • Traumapädagogisches Fallverstehen
  • Übungen

Modul 2 Hanau

Traumatische Übertragungen

15.-17.07.2020

  • Reflexion Modul 1
  • Theorie der Übertragung und Gegenreaktion
  • Methodentraining zu traumatischen Übertragungen und Gegenreaktionen
  • Fallsupervisionen
  • Übungen: Entspannungsübungen, Imaginationsübungen, Übungen zur Stressabfuhr

Modul 3 Hanau

Trauma und
Bindung

09.-11.11.2020

  • Reflexion Modul 2
  • Einführung in die Bindungstheorie
  • Arbeitsmaterialien zur Bindungsexploration
  • Selbstreflexion
  • Pädagogische Aufgaben zur Bindung
  • Fallsupervisionen
  • Übungen

Modul 4 Hanau

Pädagogik der Selbstbemächtigung

23.-25.03.2021

  • Reflexion Modul 3
  • Theoretische Grundlagen zur Selbstbemächtigung
  • Selbstregulation durch das Kennenlernen neurophysiologischer Zusammenhänge
  • Methodentraining zur Selbstbemächtigung traumatisierter Kinder und Jugendlicher
  • Fallsupervisionen
  • Übungen

Modul 5 Hanau

Gruppe und
Trauma

13.-15.07.2021

  • Reflexion Modul 4
  • Traumasymptomatik und Gruppendynamik
  • Traumapädagogische Gruppenarbeit
  • Fallsupervisionen
  • Übungen

Modul 6 Hanau

Einführung
Dissoziation

22.-24.11.2021

  • Reflexion Modul 5
  • Einführung in die Theorie der Dissoziation
  • Umgang mit diagnostischem Material
  • Die traumapädagogische Unterstützung
  • Traumatherapie
  • Fallsupervisionen
  • Themaspezifische Übungen

Modul 7 Hanau

Elternarbeit und transgenerationale Traumaweitergabe

tba 2022

  • Reflexion Modul 6
  • Theorie zu Elternverhalten im Kontext traumatischer Lebensumstände
  • Reflexion
  • Methoden
  • Fallsupervisionen
  • Übungen

Modul 8 Hanau

Kolloquium
Abschlussmodul

tba 2022

  • Fallsupervisionen
  • Präsentationen
  • Abschiednehmen

Zertifikat nach dem Curriculum der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie e.V. und dem Fachverband Traumapädagogik e.V.

Anmeldung Druckversion
Ausschreibung Druckversion

INHALTE

1. Einführung und Ziele

Lebensgeschichtlich belastete Kinder und Jugendliche in all ihrer Diversität stellen besondere Herausforderungen an Erziehungs- und Bildungseinrichtungen. Insbesondere Kinder und Jugendliche, die in stationären Jugendhilfeangeboten betreut werden, gehören der Personengruppe an, die innerhalb unserer Gesellschaft am häufigsten extremen psychosozialen Belastungen ausgesetzt waren.
Sie werden nur schwer mit herkömmlicher pädagogischer Praxis erreicht. Die bisherige Aufspaltung – Bewältigung von traumatischen Ereignissen geschieht in der Therapie, die Pädagogik ist Alltagsbewältigung – wird ihnen nicht gerecht. Eine Vermeidung der Traumafolgen ist in den Erziehungs- und Bildungseinrichtungen ohnehin nicht möglich, negiert die vielen Möglichkeiten der Pädagogik und verzögert eine umfassendere Korrektur von behindernden traumaspezifischen Einstellungen und Erwartungen.
Die Traumapädagogik bietet handlungsrelevante Erkenntnisse und methodische Überlegungen, die eine zielgerichtete Unterstützung ermöglichen. Sie bezieht sich auf pädagogische und interdisziplinäre Erkenntnisse, z. B. der Psychotraumatologie, Psychoanalyse, Neurophysiologie sowie der Bindungs-, Gender- und Migrationsforschung. Sie stellt Erklärungswissen bereit, aus dem heraus traumapädagogische Konzepte entwickelt werden konnten. Die Konzepte und Methoden werden in der Weiterqualifizierung vermittelt.

Es braucht ein Verständnis für die Anpassungsstrategien der Kinder und Jugendlichen, das alle Vielfaltsdimensionen berücksichtigt, sowie einen Umgang mit den spezifischen Belastungen der Pädagoginnen und Pädagogen. Grundlage hierfür ist die Erweiterung des theoretischen Verständnisses über Traumatisierungen von Mädchen und Jungen. Ein weiteres Ziel dieser Zusatzqualifizierung ist die Entwicklung von Flexibilität, Sensibilität, Souveränität und Mut im professionellen Herangehen an Traumata. Ein hoher Praxisbezug wird u. a. dadurch hergestellt, dass die Erfahrungen der Pädagoginnen und Pädagogen mit den ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen ein zentraler Bestandteil der Weiterbildung sind.
Des Weiteren bedarf es Wissen und Methoden aus dem Bereich traumzentrierte Fachberatung, um beispielsweise in der Begleitung und Beratung von Eltern und/oder anderen Angehörigen Sicherheit, Möglichkeiten zur Verantwortungsübernahme und Neugestaltung von Beziehung zu ermöglichen.
Die Qualifizierung zur Traumapädagogin und traumazentrierten Fachberaterin/ zum Traumapädagogen und traumazentrierten Fachberater ist eine pädagogische, keine therapeutische Ausbildung. Die Übernahme von Eigenverantwortung ist Voraussetzung für die Teilnahme.

2. Die traumapädagogische Haltung

Traumapädagogik ist mehr als eine pädagogische Methode, sie ist vielmehr eine pädagogische Bewegung. Die Betroffenen stellen einen wesentlichen Teil der Lösung dar, aktiv und auf Augenhöhe. Da Macht, Ohnmacht, Hierarchie und Willkür wesentlicher Bestandteil von Traumavorerfahrungen sind, halten wir es für notwendig, Macht- und Hierarchiestrukturen durch die transparente Übernahme von Verantwortung zu ersetzen. Die Methoden, Techniken und Übungen, mit denen die Traumapädagogik versucht, lebensgeschichtlich belastete Menschen bei der Verbesserung ihrer Lebensqualität zu unterstützen, werden ständig weiterentwickelt und überprüft. Die Referentinnen und Referenten haben die Verantwortung, neue Ideen, Ansätze und Entwicklungen in der traumapädagogischen Arbeit auch während der gemeinsamen Arbeit in der Weiterqualifizierung zu dokumentieren und verfügbar zu machen.

Grundhaltungen der Traumapädagogik sind

  • Traumatisierte Menschen reagieren normal auf nicht normale Geschehnisse
  • Sie sind die Expert*innen für sich selbst und ihre Lebenserfahrungen
  • Die Professionellen stellen ihr Fachwissen respektvoll zur Verfügung und überprüfen mit den Kindern und Jugendlichen gemeinsam die Bedeutung für ihr konkretes Sein
  • Auf allen Hierarchieebenen wird Transparenz hergestellt und Verantwortung übernommen

Diese traumapädagogischen Grundhaltungen gelten auch für die Weiterbildung. Die Referentinnen und Referenten arbeiten als Kolleginnen/Kollegen unter ihresgleichen. Sie stellen Themen vor, die dann von der Fortbildungsgruppe diskutiert und ergänzt werden, also von den Menschen, die Spezialist*innen sind für die Arbeit mit lebensgeschichtlich belasteten Menschen. Das Wissen, die Erfahrungen und die Einschätzungen der Teilnehmenden sind wesentlicher Bestandteil jeder Fortbildung.

3. Die Referentinnen und Referenten

Die Weiterbildung zur Traumapädagogin und traumazentrierten Fachberaterin/ zum Traumapädagogen und traumazentrierten Fachberater wird in der Regel von einer Frau und einem Mann angeleitet und betreut. Eine/r der beiden Referent*innen begleitet die Gruppe hauptverantwortlich, ist Ansprechpartner*in für die Fortbildungsgruppe und leitet diese bei allen Modulen an.

Der/die zweite Referent*in kann in einzelnen Modulen wie z. B. Therapie, aus fachlichen Gründen von einer Kollegin oder einem Kollegen vertreten werden. Beide Referent*innen verfügen über eine pädagogisch fundierte Ausbildung und Berufserfahrung in der pädagogischen und psychosozialen Arbeit mit traumatisierten Kindern, Jugendlichen und/oder Erwachsenen. Alle Referent*innen, die in dieser Weiterbildung beschäftigt sind, haben langjährige Erfahrung in der Organisation und Durchführung von Weiterbildungsreihen nach diesem Curriculum.

4. Aufbau und Inhalte der Ausbildung

Die Qualifizierung ist als berufsbegleitende Fortbildungsreihe konzipiert. Sie beinhaltet die Vermittlung der Grundzüge der Traumapädagogik und der traumazentrierten Fachberatung, theoretische Grundlagen der Psychotraumatologie, die Diskussion aktueller Forschungserkenntnisse und die Erarbeitung von Haltungen und Methoden zur praktischen Umsetzung im pädagogischen und beraterischen Alltag. Während der gesamten Fortbildungszeit werden Haltungen und Methoden kontinuierlich überprüft und weiterentwickelt.
Anforderungen an den institutionellen Rahmen und die Organisationsstruktur werden ebenso erarbeitet wie die spezifischen Belastungen für Pädagog*innen und Berater*innen, sowie deren Möglichkeiten für einen sorgsamen Umgang mit Psychohygiene und Selbstfürsorge.

Um die Inhalte und Methoden möglichst effizient zu transportieren, nehmen das erfahrungsbezogene Lernen und reflexive Einheiten einen großen Raum ein. Parallel zu den Fortbildungsmodulen sollen die Teilnehmer*innen ein alltagsbezogenes Praxisprojekt entwickeln, im Rahmen dessen die erworbenen Kenntnisse und methodischen Fähigkeiten angewendet und nachgewiesen werden sollen. Genauere Informationen und Beratung hierzu erhalten die Teilnehmer*innen während der ersten Fortbildungsmodule von den Referent*innen.
Unsere Weiterbildung ist nach dem Curriculum Traumapädagogik und traumazentrierte Fachberatung der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie e.V. (www.degpt.de) und dem Fachverband Traumapädagogik (www.bagtraumapaedagogik.de) zertifiziert.

5. Die Methoden

Folgende Methoden finden während der Weiterbildung Anwendung

  • Vermittlung theoretischer Grundlagen durch Referate
  • Textstudium
  • Einzel-, Kleingruppen- und Plenumsarbeit
  • Fallsupervisionen mit verschiedenen Methoden wie Genogramm, Zeitstrahl, Aufstellung
  • Einüben von Entspannungs- und Imaginationsverfahren
  • Rollenspiele
  • Unterstützte Eigenreflexion und Selbsterfahrung
  • Übungen zu den Bereichen Selbstwahrnehmung, Selbstregulation und Bindungsverhalten

6. Voraussetzungen und Abschluss der Zusatzqualifizierung

Teilnahmevoraussetzungen

  • pädagogische Grundausbildung oder ähnliches
  • mindestens zwei- bis dreijährige Berufserfahrung
  • hohe Bereitschaft zur Selbsterfahrung bzw. Selbstreflexion
  • aktuelle berufliche Tätigkeit in Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe
  • Ausnahmen sind in begründeten Fällen möglich

Es werden maximal 18 Teilnehmer*innen zugelassen.

  • Regelmäßige Teilnahme an allen Modulen, ersatzweise Teilnahme an einem inhaltsgleichen Modul/Seminar nach Absprache mit der Leitung der Weiterbildung
  • Umsetzung der erarbeiteten Haltung und der erlernten Methoden entsprechend der in der eigenen beruflichen Praxis gegebenen Möglichkeiten mit Rückkopplung in die Module
  • Schriftliche Falldarstellung und mindestens eine Fallsupervision aus der eigenen Praxis
  • Erfolgreiche Teilnahme am Abschlusskolloquium mit der Präsentation eines Praxisprojektes, durch das erkennbar wird, wie die erworbenen Kenntnisse und vor allem die Haltung sich im pädagogischen und psychosozialen Alltag umsetzen.

Abschlussvoraussetzungen

  • Regelmäßige Teilnahme an allen Modulen, ersatzweise Teilnahme an einem inhaltsgleichen Modul/Seminar nach Absprache mit der Leitung der Weiterbildung
  • Umsetzung der erarbeiteten Haltung und der erlernten Methoden entsprechend der in der eigenen beruflichen Praxis gegebenen Möglichkeiten mit Rückkopplung in die Module
  • Schriftliche Falldarstellung und mindestens eine Fallsupervision aus der eigenen Praxis
  • Erfolgreiche Teilnahme am Abschlusskolloquium mit der Präsentation eines Praxisprojektes, durch das erkennbar wird, wie die erworbenen Kenntnisse und vor allem die Haltung sich im pädagogischen und psychosozialen Alltag umsetzen.

Das Curriculum Traumapädagogik/traumazentrierte Fachberatung der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie e.V. und dem Fachverband Traumapädagogik e.V. stellt ein Y-Modell dar, das sich aus einem Grundstock sowie einem Arm traumzentrierte Fachberatung und einem Arm Traumpädagogik zusammensetzt.

  • http://www.bag-traumapaedagogik.de/index.php/ausbildungs-curricula.html
  • http://www.degpt.de/curricula/traumap%C3%A4dagogik-und-traumazentrierte-fachberatung.html

Die Weiterbildung beinhaltet alle drei Teile und schließt mit dem Doppelabschluss in Traumpädagogik und traumzentrierter Fachberatung ab.
Die Voraussetzungen zum Zertifikatserwerb und die Abschlussvoraussetzungen entsprechen den Vorgaben des Curriculum der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie e.V. und dem Fachverband Traumapädagogik e.V.

7. Organisatorisches

Teilnahmegebühren

Die Gesamtkosten betragen 3.960,00 €. In den Kosten sind enthalten: Arbeitsmaterialien, Tagesverpflegung während der Module sowie Übernachtungen für 2 Module in Germerode, ebenfalls inkl. Tagesverpflegung. Nach der Anmeldung und der Prüfung der Eingangsvoraussetzungen erhalten Sie eine Rechnung für die Anzahlung in Höhe von 440,00€. Mit Eingang dieser Anzahlung ist Ihr Platz in der Weiterbildung verbindlich reserviert. Des Weiteren stellen wir Ihnen pro Quartal eine Rechnung in Höhe von 440€, welche innerhalb von 14 Tagen zu begleichen ist. Für den Erwerb eines Zertikfikates (DEGPT) kämen zusätzlich 90,00€ zu den Gesamtkosten hinzu.
Alle Module können regelmäßig im Zentrum für Traumapädagogik in Hanau nachgeholt werden. Sie haben die Möglichkeit, ein Modul kostenlos nachzuholen. Für alle weiteren Nachhol-Module kommt das ZTP nicht mehr auf. Der Teilnehmer zahlt dann die ausgeschriebenen Fortbildungskosten.
Bei Rücktritt 8 Wochen vor Beginn behalten wir die Anzahlung ein. Bei Rücktritt 4 Wochen vor Beginn werden 50 %, danach der gesamte Teilnahmebetrag fällig.

Anmeldung

Melden Sie sich schriftlich mit Hilfe des Anmeldebogens an. Schicken Sie diesen bitte per Email an info@ztp-welle.de oder per Post an:

Welle gGmbH

Zentrum für Traumapädagogik

Ulanenplatz 6

63452 Hanau